Neues Jahr, neue Vorsätze. Alle wollen mehr Sport treiben, weniger essen, mehr verdienen oder sich weniger ärgern. Einige sind dabei weitaus erfolgreicher als andere – woher nehmen diese Glückspilze ihre Motivation? Warum ist es manchmal einfacher andere zu motivieren als sich selbst? Und vor allem, welche Lügen erzählen wir uns selbst Jahr für Jahr, um unser gutes Vorhaben zu sabotieren?
Für diese Einleitung habe ich bestimmt eine gute Dreiviertelstunde gebraucht. Dabei ist es nicht so, als hätte ich die Zeit ungenutzt verstreichen lassen. Stattdessen? Musik gehört, E-Mails beantwortet, mit einem Freund telefoniert. Eigentlich alles, außer genau das, was ich hätte tun sollen – schreiben. Würde ich mich zusammenreißen und einfach mal loslegen, wäre ich doch schon längst fertig. Könnte ich diese Motivation auf Fitnessstudiobesuche übertragen, wäre ich wie gemeißelt. Ist ein chronischer Motivationsmangel gleichzusetzen mit Faulheit? Unmöglich!
Eine gute Ausrede ist jedoch immer schnell gefunden. Es folgt eine Liste gefährlicher Verhaltensweisen, die ich bei mir und Anderen beobachte. Aber auch, um nicht zu viel Motivation an den Tag zu legen, einige „Inspirationen“ von anderen Quellen. Wir wollen ja nicht übertreiben.
„Morgen werde ich viel mehr Lust haben als heute.“
Die Sonne scheint! Perfekte Bedingungen, nicht zu heiß, nicht zu kalt. Die Laufschuhe stehen bereit, los jetzt!
Keine Chance. Wir schaffen es uns einzureden, dass wir morgen mit weitaus besserer Laune und viel mehr Elan Laufen gehen. Morgen geht das Spiel dann wieder von vorne los. Oder, wie praktisch, in weiter Ferne bilden sich einige Gewitterwolken. Das geht natürlich gar nicht! Nachher reißt eine dieser für Norddeutschland üblichen Orkanböen einen Baum im Wald aus, der mich widerum erschlägt. Viel zu gefährlich. Aber ab Montag gehe ich doppelt so lange laufen. Ist doch klar.
„Ich habe noch ewig Zeit.“
Glatte Lüge! Mathematisch nicht einmal möglich! Wenn ich so häufig noch so viel Zeit gehabt habe, warum musste während des Studiums in regelmäßigen Abständen bis drei oder vier Uhr morgens am Abend einer Prüfung verzweifelt nach Notizen gesucht werden ? Notizen, die ich nicht erst suchen sondern bereits verinnerlicht haben sollte.
Erstaunlich wie wir es schaffen, unsere sonst so logisch funktionierenden Gehirne davon zu überzeugen, dass eine „Ewigkeit“ nicht nur existiert, sondern auch für solche Lappalien wie Prüfungen, Steuererklärungen und Kündigungen von automatisch weiterlaufenden Abonnements zur Verfügung steht. Mehr als praktisch.
„Ich kann unmöglich lernen/laufen/abnehmen, bevor ich nicht Zuhause aufgeräumt habe.“
So ist es – das muss jetzt sein.
Natürlich ist der Staubsauger seit 4 Monaten defekt und im Schrank sind keine sauberen Putztücher mehr. Aber egal, so ist das Leben manchmal. Damit muss man umgehen können. Also ab zum nächsten Media Markt – Staubsauger kaufen. Dann noch zur Drogerie meines Vertrauens, um ein buntes Sortiment Reinigungsmittel zu kaufen, von denen wir teilweise nicht wissen, wozu sie gut sind. Backofenreiniger nicht vergessen, das hatte ich schon letztes Jahr um diese Zeit mal vor.
Erfolg! Die viel wichtigere Aufgabe haben wir fürs Erste vertagen können. Dazu eine wunderschöne, aufgeräumte Wohnung – jetzt kann’s losgehen.
Aber Moment! Meine DVD-Sammlung ist ja gar nicht alphabetisch sortiert…
„Ich bin Perfektionist.“
Und das hat zur Folge, dass nichts fertig wird – stimmt’s? Dabei muss man sich ernsthaft fragen: Müssen es wirklich immer 110 Prozent sein? Wer bestimmt überhaupt, was perfekt ist und was nicht?
Perfektionisten laufen Gefahr, ihre Aufgaben nie wirklich zu Ende zu bringen. Oder sie neigen dazu, aus Angst zu versagen, gar nicht erst mit ihrem Vorhaben anzufangen. Dabei muss nichts perfekt sein!
Bist du Opfer dieser Selbstwahrnehmungsfassaden oder packst du die Dinge immer sofort an? Ich freue mich über Kommentare! Und keine Sorge, Kommentare müssen nicht perfekt sein! Einfach loslegen, es lohnt sich!
Demnächst schreibe ich einen Artikel über hilfreiche und motivierende Tools für Smartphone und Co.
Bestimmt. Irgendwann.
Jacques Sauvaget
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19. Januar 2016 at 16:19
Genau…erwischt!!
Grad eben jetzt passiert!!
Anstatt jegliches Piepen, Klingeln und Läuten meines Handys zu ignorieren…
zack…schau ich nach…
Dabei sitze ich am Schreibtisch -eigentlich ganz motiviert – an einem Kapitel der Diss. und zack…jetzt schreibe ich auch schon einen Kommentar…
Aber…endlich schreibe ich mal auf eure wunderbaren Gedanken!! Wenn das nichts ist…100 % Diss.geht eh nicht u. jetzt setze ich mich mit einem breiten Grinsen motivationsgestärkt eben wieder ran!! Danke!!
Macht weiter so…für meine nächste Pause… fernab von jeglicher Putzsucht!
21. Januar 2016 at 19:08
Bedauerlich dass du erwischt wurdest – super dass es von uns war!
Danke für dein Kommentar!
Keine Gedanken machen, einfach weitermachen. Das wird schon und viel Erfolg weiterhin!
Bis bald