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Wer will denn schon nett sein? – Geht das auch nett?

Geht das auch nett?

Über Kommunikation, Social Skills und Training

Wer will denn schon nett sein?

Geht das auch nett? Wie kommt ein Blog zum Thema Kommunikation bloß zu so einem Namen?

Mit Verlaub, ist nett nicht die kleine Schwester von, Entschuldigung, scheiße? Und bewundern wir nicht insgeheim gerade die Menschen, denen es so völlig egal ist, was die Welt über ihr situativ ausuferndes Verhalten denkt? Jene, die mutig ihren Launen frönen? Die, die morgens mit dem falschen Fuß aufstehen und ihre Mitmenschen gnadenlos dafür büßen lassen?

Dabei kennt das jeder:

…der Wecker klingelt und statt einfach draufzuhauen, um ihn auszuschalten, packt uns spontan die unbändige Lust, ihn an der Wand zerschellen zu sehen. Nun handelt es sich bei unserem Wecker aber um unser neues, geiles, superteures Smartphone und wir sehen davon ab. Welche Laus uns an diesem Morgen über die Leber gelaufen ist, wissen wir nicht, interessiert uns auch nicht. Fakt ist, der Kaffeehersteller hat ausgerechnet bei unserer neuen Packung gepfuscht (von wegen „praktische Aufreißlasche“ und „bekömmlich“, alles Lüge), im „Guten Morgen“ der ansonsten ganz netten Nachbarin ist so ein herablassender Unterton, der Blödmann im grünen Golf kann nicht Auto fahren und hat es eindeutig auf uns abgesehen und die neue Mitarbeiterin sieht irgendwie aus wie diese hohle Nuss damals aus der Parallelklasse, die uns den Andy vor der Nase wegeschnappt hat. Gut zusammenarbeiten werden wir mit der nicht, soviel ist klar…

Unser eingeschränkter Horizont gaukelt uns an diesem besonderen Morgen vor, die Welt habe sich speziell gegen uns verschworen und als unschuldiges Opfer dieser Umstände habe unsere Befindlichkeit nun das Recht, das Gemeinschaftsklima im Großen wie im Ganzen zu dominieren.

Heldenhaft, wer nach dem zweiten unbekömmlichen Kaffee kurz inne hält und sich selbst als Wurzel des Übels entlarvt. Der Tag mag eine Herausforderung bleiben, aber nach dieser Erkenntnis besteht zumindest die Chance, wertschätzend und beitragend mit den Kollegen an einem Strang zu ziehen.

Wer dagegen glaubt, seinen Mitmenschen wortgewaltig oder wortkarg, je nach Vorliebe des Egos, auf der Seele herumtrampeln zu dürfen, um sich selbst etwas besser zu fühlen oder die eigene Unzulänglichkeit zu überspielen, verdient nun wirklich nicht unsere Bewunderung.

Es ist verdammt leicht, sich einfach gehen zu lassen, die Schuld immer woanders zu suchen und die Gefühle anderer zu ignorieren. Teamgeist, Freude am eigenen Tun und zukunftsorientiertes Denken befeuert ein derartiges Verhalten allerdings nicht. Es lähmt vielmehr – uns und unsere Umgebung.

Verstehen wir uns nicht falsch: Nett sein heißt hier nicht, sich alles gefallen zu lassen, den schwarzen Humor ad acta zu legen oder sich in irgendeiner Form zu verbiegen!

Nett sein verstehen wir als Grundlage für Zusammenarbeit und Fortschritt. Nette Menschen machen einfach Lust auf mehr: mehr bereichernde Begegnungen, mehr zündende Ideen, mehr erfolgreiche Projekte…

Kürzlich traf ich die neue Kollegin in der Kaffeeküche. Sie ist eigentlich ganz nett.


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Merit Petersen

Merit liebt die deutsche Sprache. Sie hat Spaß daran, die vielfältigen Kommunikationsformen in zwischenmenschlichen Beziehungen zu erforschen und mit Worten Brücken zu bauen.
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2 Comments

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    Schöner Artikel, was mich aber irritiert, ist die letzte Bemerkung über die Kollegin: Eigentlich – ganz – nett. Also irgendwie – doch – wohl – drei Einschränkungen …

    • Merit Petersen

      19. Oktober 2015 at 11:03

      Vielen Dank für den ersten Kommentar, Karl!
      Der letzte Satz sollte eigentlich eine selbstironische Pointe werden. Das muss ich dann wohl noch etwas üben 🙂
      Wenn wir nichtsahnende Menschen vorverurteilen und bereits vor dem richtigen Kennenlernen in unsere vorgefertigten Schubladen einsortieren, dann ist die Erkenntnis: „oh, die ist eigentlich ganz nett“, meiner Meinung nach, ein erster Schritt in Richtung Abbau der Vorbehalte. Das „Eigentlich“ steht hier beispielhaft für: „obwohl ich hätte schwören können, dass die doof ist“.
      Erfahrungsgemäß braucht die komplette Entsorgung eines Vorurteils selbst nach dieser Erkenntnis leider noch etwas Zeit… und das, obwohl es dafür objektiv betrachtet keinen Anlass gibt und die neue Kollegin ein wirklich toller Mensch ist.
      Es ist aber immerhin ein Anfang.

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